Hier klicken, um die deutsche Version zu lesen!
  Click here to read the english version!
SEIT 1952 WELSTARS "HAUTNAH"

Rückblick
Frankfurter Rundschau 1977, anläßlich Jazzkeller '25

...Seit 25 Jahren Mekka der Jazzfans: das "Domicile du Jazz"
...wie die Zeit vergeht, mal nachrechnen. Tatsächlich, der "Keller" ist so alt.

Eigentlich heißt er ganz vornehm "Domicil du Jazz", aber wer nennt ihn schon so, den Jazzkeller in der Kleinen Bockenheimer. Und heute feiert man dort die 25. Für uns scheint die Zeit stehengeblieben zu sein, denn hier haben jetzt andere ihr Zuhause gefunden. Junge Leute, zu denen wir keinen rechten Kontakt finden können. Sie werden nie ganz verstehen, was der Keller für Frankfurt und für uns bedeutet hat. Damals (1952), als sich für uns die Welt nur um den Jazz gedreht hat ... Wem haben wir nicht andächtig gelauscht - später aber, scheu zunächst, dann selbstverständlich unterhalten? An diesem Tisch dort saßen einst Frank Sinatra und Dean Martin. Mürrisch der eine Star, freundlich und redselig der andere. An dem Piano dort, ist es noch dasselbe? - schwitzte Horace Silver, in der Ecke hat Oscar Pettiford seinen Bass singen lassen. Mit Stan Getz, dem großen Musiker und bescheidenen, intelligenten Menschen haben wir hier unvergeßliche Stunden verbracht. An der Bar hat uns Trompeter Cat Anderson anvertraut, das deutsche Publikum verstünde mehr vom Jazz als die Amerikaner, er wolle darum lieber hier bleiben. Er fuhr dennoch heim mit Duke Ellington, seinem Chef, unserem Idol....

Die Atmosphäre im "Keller" war absolut privat. Die Musiker spielten ohne Gage, fürs Bier oder einen Whisky. Für die Jazzer aus Übersee war er ein Treff von Format.

Sie haben nicht alle gespielt, wenn sie hier im Club waren, doch sie beeinflußten das Klima und setzten Maßstäbe.

Click: Frankfurter Rundschau, Veranstaltungen, Event

Frankfurt Allgemeine Zeitung 1992, anläßlich Jazzkeller '40

Man steigt in der Kleinen Bockenheimer 18a die neunzehn Stufen hinab und steht unvermittelt im unterirdischen Parnaß: im Gewölbe des Frankfurter Jazzkellers. Kein Jazzlokal in Deutschland ist älter als die vom Frankfurter Trompeter und Musiktheoretiker Carlo Boländer nach französichen Vorbildern eröffnete, zunächst "domicile du jazz" und heute nur als "der Keller" bezeichnete Kneipe. Kein Podium in dieser Republik kann sich rühmen, auch nur annährend so viele national und international bekannte Jazzmusiker beherbergt zu haben.

Mythische Orte wie der Jazzkeller bilden ihre eigenen Legenden. Zu den Legenden zählen auch die Auftritte von Musikern wie Louis Armstrong oder Dizzy Gillespie in den fünfziger Jahren. Im Keller sind zwar beide gewesen, wie Fotos belegen; der Bebop Trompeter Gillespie trat jedoch erst im Dezember '88 auf, nach dem der jetzige Inhaber, der Berliner Eugen Hahn, den Star engagierte. Der jetzige Chef Eugen Hahn hat aus den Gegebenheiten der 90er seine Konsequenzen gezogen, eine neue Programmpolitik mit jazzy-disco, und auch populären Jazzformen betrieben, außerdem auch die Stars - die Dizzy Gillespies, Chet Bakers, Archie Shepps oder Flora Purims - auf die Bühne geholt, dem Keller ein neues Publikum erschlossen und eine gewisse ökonomische Basis für die Zukunft geschaffen.
Dr. Wolfgang Sandner

Frankfurt Allgemeine Zeitung, August 1999

Unscheinbar ist er, der Eingang an der Kleinen Bockenheimer Straße. Unbedarfte Flaneure und Nachtschwärmer, die an späten Sommerabenden recht zahlreich durch die enge Gasse spazieren, werden kaum ahnen, daß sich im Untergeschoß des schmucklosen Geschäftshauses mit der Nummer 18a eine Frankfurter Institution mit Weltruf befindet. Wer dagegen weiß, was ihn erwartet, der entrichtet an der Abend für Abend immer aufs Neue mit einem Barhocker und einer einfachen Holzkiste improvisierten Kasse seinen Obolus, um dann auf einer steilen Treppe hinabzusteigen in eines der ältesten und bekanntesten Jazz-Lokale Europas.

Der "Jazzkeller" verdient seinen Namen. Das kleine dunkle Gewölbe scheint schon auf den ersten Blick wie der Inbegriff des "Clubs". Heiß ist es. Laut. Rauchig. Und stets voller Leute, die zu guter Musik und erschwinglichen Getränkepreisen den Abend ausklingen oder die Nacht zum Tag werden lassen wollen. Seit 47 Jahren ist das so - und so schnell wird sich daran auch nichts ändern.

Carlo Bohländer, Urgestein der Frankfurter Jazz-Familie, zog 1952 mit der damals noch sehr überschaubaren Szene in den Keller an der Kleinen Bockenheimer, die schon bald nur noch als "Jazzgass" in aller Munde war. Der große Louis Armstrong tauchte noch im Gründungsjahr auf (der Andrang soll so groß gewesen sein, daß Satchmo in dem Gedränge ein Glas Wein übergossen wurde), Dizzy Gillespie ließ sich ebenfalls bald blicken, und auch Lionel Hampton kam und spielte auf der kleinen hölzernen Bühne. Jede Menge Erinnerungsfotos und Zeitungsausschnitte an den Wänden zeugen heute von den Besuchen und Jamsessions von Roy Eldridge, Chet Baker, Stan Getz und Ella Fitzgerald. Selbst Frank Sinatra soll einmal kurz dagewesen sein. Und Albert Mangelsdorff hat hier unten sein berühmt gewordenes Quintett gegründet.

Das Publikum ist dem "Jazzkeller" immer treu geblieben, auch wenn der Club im Laufe der Jahre bisweilen kurz vor dem Abgrund stand und manche Wandlung mitgemacht hat - vom improvisierten Musiker-Treff zum professionell geführten Nachtlokal mit Konzert- und Diskobetrieb. Die Gäste lassen sich noch immer nicht in eine der gängigen Schubladen stecken - da sitzt am späten Abend der ermüdete, aber amüsierwillige Unternehmensberater neben dem zottigen Musik-Freak an der Bar, da tanzt das in die Jahre gekommene Szene-Girl ausgelassen neben der gutgelaunten Werbetexterin.

Gemein ist den Mitgliedern dieses bunt gemischten Völkchens nur ihre Liebe zum Jazz und der artverwandten Musik - und darum finden sie immer wieder den Weg in die Kleine Bockenheimer und steigen die steilen Stufen hinab in den ältesten Jazz-Club der Republik.
Peter Badenhop

 
Anfang / Go up
 
Jazzkeller Frankfurt / Kleine Bockenheimerstr. 18a / 60323 Frankfurt am Main / Tel. 069 28 85 37